Aktuell

Dorfentwicklung

Seit der Landkreis sich 2015 erstmals mit einer ausgewählten, 19 Rundlingsdörfer umfassenden Region bei der UNESCO um den Welterbe-Status beworben hat, ist eine dynamische Entwicklung angeschoben worden. Für das Welterbe-Gebiet wurde von der Samtgemeinde Lüchow ein Dorfentwicklungsprogramm auf den Weg gebracht, das alle wichtigen Felder für eine nachhaltige Lebensqualität auf dem Land umfasst. Nach dem Start in dem ausgewählten Bereich sollen die hier initiierten Projekte zum Modell für die Entwicklung im ganzen Kreisgebiet werden. Die Einzelmaßnahmen werden zusammen mit dem Planungsbüro Warnecke im Laufe des Jahres 2016 geplant, ab 2017 bis 2024 stehen die Fördertöpfe der EU für die Umsetzung zur Verfügung.

Das Gesamtprogramm umfasst fünf Bereiche:

Straßenraum und Mobilität

In vielen Dörfern werden Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung gewünscht. Das Planungsbüro Warnecke hat die Wünsche der Dörfler aufgenommen und jeweils verschiedene Maßnahmen vorgestellt, von der Veränderung des Straßenverlaufs über Variationen im Straßenbelag bis zu Anpflanzungen von Bäumen und anderem Straßenbegleitgrün. Ziel ist auch, Plätze im Dorf mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Allgemein werden auch Lampen für Straßen und Dorfplatz gewünscht, die sich optisch schöner ins Dorfbild einfügen und energiesparender sind.

Im Bereich Mobilität steht in mehreren Dörfern die Erneuerung des Bushaltestellenhäuschens an. Idee ist, dieses gleich zu einem Mobilitätshaus auszugestalten, mit Information über das eigene Dorf und weitere interessante Stationen, Stromtankstelle für Fahrräder und evtl. Autos sowie als Mitfahrerstation für komfortables Trampen auszustatten, wo sich dies vom Streckenverlauf anbietet.

Baukultur und Siedlungsentwicklung

Gefördert werden sowohl gemeinschaftliche als auch private Baumaßnahmen. Ziel ist, ortsbildprägende Gebäude zu erhalten und ggf. einer Um- oder Nachnutzung zuzuführen, z.B. als Dorfgemeinschaftshaus oder mit barrierefreien Wohnungen und angeschlossener Pflege für ältere Dorfbewohner. Bei privaten Bauvorhaben werden vor allem Maßnahmen zur Energieeinsparung unterstützt.

Dorfökologie und Landschaft

Die alten Feuerwehrteiche und Rötekuhlen (frühere Flachsrotteteiche), die nicht mehr genutzt werden und teilweise zu verlanden drohen, können mit schonenden Eingriffen entschlammt und der Bewuchs ausgelichtet werden, um einen höherwertigen ökologischen Lebensraum zu schaffen. Bei der Gestaltung des Grünraums in den Dörfern ist auf heimische Gewächse zu achten, die sowohl der heimischen Tierwelt Lebensraum bieten, als auch der traditionellen Kulturlandschaft entsprechen. Wo möglich sollen die früheren Kohlgärten – Gemüseanbauflächen der Dorffamilien auf der Ackerfläche – wiederbelebt werden, evtl. auch nur als informativer Hinweis vor Ort. Es gibt Unterstützung dafür, auch beim Ausbau von Dächern Unterschlupfmöglichkeiten und Behausungen für Schwalben, Eulen und Waldkauz zu schaffen. Traditionelle Verbindungswege zwischen Dörfern sollen wiederbelebt und durch Seitenraumbepflanzung aufgewertet werden.

Kultur und Soziales

Zur Daseinsvorsorge werden Maßnahmen unterstützt, die das Leben im Dorf bis ins Alter ermöglichen, z.B. durch einen Dorfhelferservice. Grundsätzlich wird die Breitenkultur gefördert, Vereinsaktivitäten, Treffpunkte für die Dörfler und die Dorfjugend.

Wirtschaft, Tourismus und Breitband

Die Weiterentwicklung von Rad-, Wander- und Reitwegen steht auf der Agenda. Vor allem in puncto Gastronomie gibt es noch Entwicklungspotenzial. Die Dörfer sollen darin unterstützt werden, ihre Eigenheiten und Besonderheiten weiter auszuprägen, denn das ist es, was das Wendland ausmacht und was die Besucher hier suchen. Persönliche Kontakte und Einblicke, wie sie das Netzwerk Wendland hautnah ermöglicht, ist der richtige Weg, einen Tourismus zu fördern, der eindrucksvolle Erlebnisse ermöglicht ohne die unbeteiligten Anwohner zu stören.

Der Breitband-Ausbau

ist unabhängig von dem Welterbe-Dorfentwicklungsprogramm für den ganzen Landkreis bereits in der Planungsphase. Jenseits der Fördertöpfe will der Landkreis die verbliebene Deckungslücke zur flächendeckenden Vernetzung mit Glasfaser von 94,4% des Landkreises aus eigener Kraft über einen langfristigen Kredit stemmen. Für das landkreiseigene Netz soll im Laufe 2016 ein Pächter als Dienstanbieter gefunden werden. Sobald Klarheit über die monatlichen Kosten eines Anschlussvertrages besteht, sind die Haushalte dran, die von der Verkabelung profitieren können: Sobald 40% der Haushalte den Vertrag unterzeichnen, wird das Vorhaben umgesetzt. Ein schnelles Internet ist für viele, die hier damit arbeiten und dies in Zukunft vielleicht tun wollen, unverzichtbar. Nun gilt es also, möglichst viele, die noch nicht den unmittelbaren Vorteil für sich sehen, davon zu überzeugen, dass der Netzanschluss nicht nur zum Werterhalt ihrer Immobilie beiträgt, sondern die Vernetzung des Landkreises sich auf die ganze Lebensqualität seiner Bewohner spürbar auswirken wird durch die besseren Bedingungen für die Wirtschaft und ihre Kunden, für Kommunikation und Serviceleistungen in der dünn besiedelten Fläche.

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