Leben im Wendland

Alte Bauernhäuser

Die typischen Häuser im Wendland und speziell der Rundlinge sind die niederdeutschen Hallenhäuser, je nach Anzahl der das Dach tragenden Fachwerkwände sind dies Zwei-, Drei- oder Vierständerhäuser. In diesen Wirtschaftsgebäuden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert war im vorderen Bereich zum Rundling das Vieh untergebracht, auf der Diele in der Mitte spielte sich das Alltagsleben ab. Nach der Ernte wurde hier gedroschen oder Flachs gesponnen, auf dem Herd im hinteren Bereich gekocht. Im dahinterliegenden Gebäudeteil waren die Schlafkammern untergebracht.

Heute kann man durch die häufig großflächig verglaste Groot Dör zum Rundling in geschmackvolle und geräumige Wohnzimmer blicken. Der im Wendland lebende Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde hat die wundersame Wandlung vom Viehstall zum stilvollen Ambiente treffend eingefangen.

Die alten Gemäuer, die viel gesehen und zu erzählen haben, beginnend mit ihren Erbauern im Spruchbalken, strahlen einen anheimelnden Charme aus, dem man sich nicht entziehen kann. In diesen Mauern, die bereits Jahrhunderte Schutz und Lebensraum boten, mag man sich gern gemütlich einrichten. Aber schnell wird auch klar: Ein altes Haus muss man sich zum Freund machen, wenn man darin glücklich sein will. Einen Freund, den man allmählich bis in die tieferen Winkel kennenlernt, dem man seine Macken und Schwächen nachsieht und den man nach seinen Bedürfnissen pflegt. Leider mussten viele alte Häuser in den letzten Jahrzehnten schwere Misshandlungen mit völlig ungeeigneten Baustoffen über sich ergehen lassen. Folien, Styropor und PVC, alles, was das Haus am Atmen hindert, führt zur Ansammlung von Feuchtigkeit und lässt das solideste Eichenfachwerk vermodern. Wenn man jedoch ein Faible für natürliche Materialien hat und sich etwas in die Prinzipien dieses Hausbaus reinfuchst, wird man bald mit Freude selbst Hand anlegen und seinen Lebensraum gestalten. Lehm – was für ein wunderbarer und völlig ungefährlicher Werkstoff, der einfach zu verarbeiten und auch noch jederzeit wiederverwendbar ist! Auf einer Lehmbaustelle können auch Kinder gefahrlos mitpanschen und ihre kreativen Spuren für die Nachwelt hinterlassen.

Wenn man einen bestimmten bewohnbaren Level geschaffen hat (oder mit Glück bereits übernehmen konnte), kann man mit Muße und Freude am Gestalten nach und nach immer neue Ideen im und am Haus umsetzen, sich neue Räume und neue Lebensqualität erschließen. Versierte Handwerker in der Region unterstützen bei den Arbeiten, die man nicht selbst gewuppt kriegt. Am besten einen Nachbarn mit vorbildlich restauriertem Gebäude nach seiner persönlichen Empfehlung fragen.
Hat man ein Haus erworben, das unter Denkmalschutz steht, ist bei allen Umbau- und Renovierungsarbeiten das Genehmigungsprozedere zu durchlaufen, für das man einige Monate Vorlauf einplanen sollte.

Schließlich entsteht so etwas wie eine echte Beziehung zum "eigenen" Haus, in dem man realistisch gesehen nur ein kurzes Intermezzo bedeutet, ehe es an die Nachfolger übergeben wird. Aber man kann den Hausgeist in dieser Zeit mit vielen guten Dingen füttern. Die Nachfahren werden es danken.

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